Schwund im Lager: was die Zahlen wirklich sagen.
0,64 Prozent vom Umsatz klingt nach einer Randnotiz. In Summe sind daraus Milliarden geworden. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen und warum sie unterschätzt werden.
Das EHI Retail Institute erhebt seit Jahren die sogenannten Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel, den Unterschied zwischen dem, was laut Bestand da sein sollte, und dem, was tatsächlich da ist. Die aktuellen Zahlen zeigen ein Problem, das im Alltag oft klein wirkt und in der Summe alles andere als klein ist.
Die Größenordnung
Im Schnitt lag die Inventurdifferenz zuletzt bei 0,64 Prozent vom Nettoumsatz. Das klingt nach einer Rundungsdifferenz. In absoluten Zahlen waren es 2025 rund 5,11 Milliarden Euro, die dem deutschen Einzelhandel durch Diebstahl und organisatorische Verluste verlorengegangen sind, gegenüber 4,95 Milliarden Euro im Jahr davor. Der Handel gibt zusätzlich rund 1,7 Milliarden Euro aus, nur um diese Differenzen zu verringern. Am Ende zahlen Kunden über die Preise mit, laut EHI etwa 1,5 Prozent des Einzelhandelspreises.
Wo der Schwund tatsächlich entsteht
Von den rund 4,33 Milliarden Euro, die 2025 auf Diebstahl entfielen, gingen etwa 3,05 Milliarden Euro auf das Konto von Kunden, 910 Millionen Euro auf Mitarbeitende und 370 Millionen Euro auf Lieferanten und Dienstleister. Das zeigt: Schwund ist selten ein einzelnes Loch, das man stopfen kann, sondern verteilt sich über mehrere Stellen in der Kette, vom Wareneingang bis zum Verkaufsraum.
Warum die jährliche Inventur zu spät kommt
Die klassische Inventur zeigt die Differenz erst am Ende des Jahres, wenn längst niemand mehr nachvollziehen kann, wann genau und wodurch sie entstanden ist. Bis dahin ist der Schaden passiert und die Ursache meist nicht mehr zu ermitteln. Wer wissen will, ob eine bestimmte Warengruppe, ein bestimmter Zeitraum oder ein bestimmter Prozessschritt das eigentliche Problem ist, braucht eine laufende, nicht eine jährliche Sicht auf den Bestand.
Was eine lückenlose Erfassung ändert
Genau hier setzt Computer Vision im Lager an: Kameras zählen und dokumentieren Wareneingang und -ausgang fortlaufend, statt einmal im Jahr Bilanz zu ziehen. Abweichungen fallen dann auf, wenn sie entstehen, nicht Monate später. Das ersetzt keine Ursachenanalyse, aber es liefert die Datenbasis, ohne die jede Ursachenanalyse ein Ratespiel bleibt. Wie groß der Effekt bei Ihnen konkret ausfällt, hängt von Sortiment, Fläche und Prozessen ab, das rechnet die kostenlose Analyse für Ihren Betrieb durch.
